Dr. Norbert Smetak:
Schirmherr der Initiative Pulsgesund

Liebe Patientin, lieber Patient,

der Puls ist das Metronom unseres Körpers: Schlägt er im richtigen Takt und Tempo geht es unserem Herzen gut. Normalerweise hat der Mensch einen Ruhepuls von 60 bis 90 Schlägen in der Minute. Wenn der Puls ständig zu hoch ist, schlägt das Herz zu schnell. Dann steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Initiative Pulsgesund hat es sich zur Aufgabe gemacht, darüber zu informieren, was Pulsgesundheit bedeutet und was jeder selbst für seine Pulsgesundheit tun kann. Auf dieser Website haben wir die wichtigsten Informationen rund um den Puls und die Pulsgesundheit für Sie zusammengestellt. Bleiben Sie pulsgesund!

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Ihr Dr. Norbert Smetak

Smetak

Dr. Norbert Smetak
Schirmherr der Initiative Pulsgesund Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) e.V. Niedergelassener Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie in Kirchheim. 

Experteninterview mit Dr. Smetak zum Thema „Pulsgesundheit“


1.   Früher wurde der Frequenz, mit der das Herz das Blut durch den Körper pumpt, wenig Beachtung geschenkt. inzwischen hat sich gezeigt, dass die Höhe des Pulses einen direkten Einfluss auf die Herzgesundheit hat. Warum ist eine hohe Herzfrequenz für Lebensqualität und -dauer so ungünstig?

Dr. Smetak: Ein hoher Ruhepuls ist oft Ausdruck einer zu starken Aktivierung des vegetativen Nervensystems, vor allem des sogenannten Sympathicus, dies führt zur Freisetzung hoher Mengen Adrenalins, was mehrere Auswirkungen auf unseren Körper hat, so z.B. höhere Blutdruckwerte und höhere Werte für Blutfette und Zucker etc. Aber auch ganz direkt kann Adrenalin am Herzen negativ wirken, z.B. über Herzrhythmusstörungen.

2. Welche Pulsfrequenzen sind bei welchen Menschen anzustreben? Welche Werte müssen als gesund und welche als kritisch angesehen werden?

Dr. Smetak: Beim Erwachsenen in Ruhe zwischen 60-80/min.
Auffällig sind Werte zwischen 80-100/min, sicher nicht in Ordnung Werte über 100/min. Voraussetzung ist natürlich, daß die Werte unter standardisierten Bedingungen gemessen werden, d.h. insbesondere in Ruhe, ohne Kaffeegenuss, ohne Aufregungen und nicht gleich nach sportlichen Betätigungen.

3. Herzerkrankungen sind weltweit die Todesursache Nummer Eins. Wie kommt es zu Koronarer Herzkrankheit (KHK), Angina pectoris oder einer Herzinsuffizienz? Wie unterscheiden sie sich? Was sind die Risikofaktoren oder Auslöser?

Dr. Smetak: KHK ist einfach die Beschreibung, dass die Herzkranzgefäße erkrankt und in der Regel verengt/verstopft sind. Neben erblicher Veranlagung spielen vor allem die sogenannten Risikofaktoren Rauchen, hohes Cholesterin, hoher Blutdruck und Zuckerkrankheit die entscheidende Rolle bei der Entstehung und dem Voranschreiten.

Angina pectoris heißt übersetzt Enge der Brust. Diese tritt z.B. bei Verengungen der Herzkranzgefäße unter Belastungsbedingungen auf, wenn das Herz mehr „Sprit“ bräuchte, aber nicht genügend Blut den Herzmuskel erreichen kann.

Eine Herzinsuffizienz ist eine Herzschwäche, d.h. der Herzmuskel kann nicht mehr genug Leistung erbringen, z.B. tritt dies nach Herzinfarkten auf, wenn Muskelgewebe vernarbt ist, aber auch nach Entzündungen oder bei ständiger Schädigung des Herzmuskels durch Hochdruck oder Zuckerkrankheit.

4.   Welche Rolle spielt der Puls bei Erkrankungen des Herzens, wie KHK oder Herzschwäche?

Dr. Smetak: Zum einen kann der Puls, wenn er erhöht ist, Anzeichen dafür sein, dass eine Erkrankung vorliegt, zum anderen verschlechtert ein hoher Puls häufig diese Erkrankungen. Beispielsweise leidet ein Herz, wenn es schwach ist, unter zusätzlichen Belastungen. Gerade wenn es dauerhaft schneller schlagen muss, wird es noch schwächer durch die Überlastung.

5.   Welcher Zusammenhang besteht zwischen Risikofaktoren wie Rauchen und einem erhöhtem Puls?

Dr. Smetak: Genussgifte wie Nikotin erhöhen selbst den Puls, neben der zusätzlich schädigenden Wirkung auf die Gefäßwände.

6.   Gibt es Anzeichen, die frühzeitig auf einen erhöhten Puls hinweisen? Wie kann man dem entgegenwirken?

Dr. Smetak: Das ist individuell unterschiedlich. Viele Menschen spüren einen schnelleren Pulsschlag als unangenehmes Klopfen in der Herzgegend oder spüren ihr Herz bis zum Hals schlagen. Manche spüren ein ungewöhnlich schnelles Schlagen bei körperlichen Anstrengungen oder eine lange Phase schnellen Pulses nach Belastungen. Entgegenwirken kann man dem zum einen durch Abklärung möglicher krankhafter Ursachen und durch körperliches Training.

7.   Welche Effekte lassen sich mit einer angepassten Ernährung und Sport bei der Pulssenkung erzielen?

Dr. Smetak: Das Meiden zu großer Mengen anregender Substanzen wie Koffein oder Teein oder pulsbeschleunigender wie Nikotin ist ein wichtiger Ansatz, lebensstilmäßig entgegen zu wirken. Körperliches Training hat einen sehr guten Einfluss auf den Puls. Aber hier muss man zumindest zwei- bis dreimal pro Woche 30 Minuten in Ausdauertraining investieren.

8.   Wann wird die medikamentöse Behandlung einer erhöhten Herz- und Pulsfrequenz notwendig?

Dr. Smetak: Zum einen wenn ernsthafte Erkrankungen wie die KHK zusammen mit Angina pectoris vorhanden sind, ebenso bei Patienten mit starker Herzschwäche, die sich alleine mit anderen Methoden nicht behandeln lässt. Aber auch bei sonst gesunden Menschen sind Medikamente überbrückend sinnvoll, wenn sie sehr unter dem Schlagen leiden und Training bzw. Lebensstiländerungen noch nicht greifen.

9. Wie wirken die modernen Medikamente? Gibt es Wirkstoffe, die zur reinen Pulssenkung eingesetzt werden?

Dr. Smetak: Im Moment wird speziell nur ein Wirkstoff eingesetzt, der eine reine pulssenkende Wirkung auf den sogenannten Sinusknoten, unseren eigenen Herzschrittmacher hat. Nicht wirksam ist deshalb diese Substanz bei anderen schnellen Herzrhythmusstörungen wie z.B. Vorhofflimmern.

10. Können die modernen Pulssenker bei KHK oder Herzschwäche auch gemeinsam mit Präparaten zur Blutdruck- oder Cholesterinsenkung o. ä. eingesetzt werden?

Dr. Smetak: Ja das ist kein Problem, oft ist es sogar notwendig. Z.B. setzen wir nach unseren Handlungsempfehlungen der Fachgesellschaften zuerst ß-Blocker ein. Sollte hier keine ausreichende Wirkung erzielt werden oder werden die Substanzen nicht vertragen, setzen wir ergänzend oder ersetzend bei regelmäßigem Rhythmus einen Pulssenker ein.

11. Mit welchen Maßnahmen und Verhaltensweisen lässt sich die Behandlung im Alltag effektiv unterstützen?

Dr. Smetak: Eine gesunde Lebensführung mit Meiden zu großer Mengen von Genussgiften einschließlich Alkohol, Meiden zu großer Stressbelastungen und gezieltes Ausdauertraining sind wichtige Bausteine, die eine medikamentöse Behandlung unterstützen.