Herz-Patienten sollten ihren Puls im Blick behalten, um ihr Herz zu schonen

Ab 35 geht es los. Mit diesem Lebensalter haben Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre die Möglichkeit, ihre Gesundheit auf den Prüfstand zu stellen. Die Kosten für diese Gesundheitsuntersuchung, die der Früherkennung von Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie der Zuckerkrankheit dient, tragen die Krankenversicherungen. Damit die relativ einfachen und wenig belastenden Check-ups einheitlich sind, hat das Bundesministerium für Gesundheit genau festgelegt, was sie beinhalten sollten. Ziel ist es, mögliche Risikofaktoren rechtzeitig zu erkennen und erste Anzeichen einer Erkrankung so früh wie möglich wahr zu nehmen. Möglicherweise können bereits scheinbar harmlose Befunde wie ein erhöhter Puls Indizien für eine Gesundheitsgefährdung sein.

Beim Check-up: Puls nicht vergessen

Ein eingehendes Anamnesegespräch über aktuelle Krankheiten und mögliche Vorerkrankungen in der Familie gehört ebenso zum Leistungsumfang wie eine Urinuntersuchung, die Rückschlüsse auf mögliche Nierenleiden zulässt. Anhand der Blutproben werden die Blutzucker- und Cholesterinwerte bestimmt. Sie können auch nähere Hinweise auf mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen liefern. Eine konkrete Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes ermöglicht schließlich eine Ganzkörperuntersuchung, zu der auch eine Blutdruckmessung gehört. Dabei sollten Patienten darauf achten, dass neben dem Blutdruck auch die Pulsfrequenz überprüft wird. Denn Studien bestätigen, dass ein erhöhter Puls nicht nur die Entwicklung einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) fördert, sondern auch Herzrhythmusstörungen und das Auftreten von Herzinfarkten begünstigen kann.

Erhöhter Puls – gesteigertes Risiko

Wie eine dänische Langzeitstudie am Kopenhagener “University Hospital Gentofte” ergeben hat, geht ein erhöhter Ruhepuls immer mit einem gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher – und dies auch bei Menschen, die als gesund und generell gut trainiert gelten. Für die Untersuchung wurden zwischen 1970 und 2001 die Daten von rund 3.000 Männern im mittleren Alter erfasst. Dabei zeigte sich, dass auch das Sterberisiko mit der Herzfrequenz stieg. Untersuchungsteilnehmer, deren Ruhepuls zwischen 81 und 90 lag, hatten ein doppelt so hohes Sterberisiko wie Probanden mit niedrigeren Werten. Bei einer Pulsfrequenz von über 90 war das Risiko sogar verdreifacht. Nach den Erkenntnissen der dänischen Mediziner reichen schon zehn bis 22 zusätzliche Schläge in der Minute aus, um das Sterberisiko um rund 15 Prozent zu steigern. Durch Rauchen wird das Risiko um weitere 20 Prozent erhöht. Nach den Erkenntnissen der Dänen gilt ein hoher Ruhepuls zudem als Indikator für mangelnde Fitness. Im Rahmen der Studie zeichneten sich vor allem Männer, die sich wenig bewegten, durch eine erhöhte Pulsfrequenz aus. Erhöhter Blutdruck, gesteigerte Cholesterinwerte und Übergewicht waren häufig weitere Merkmale dieser Teilnehmer.

Herz-Patienten besonders gefährdet

Unter Experten gilt die Tatsache, dass ein langsamer Puls das Leben verlängern und das Auftreten von Herzkrankheiten verringern kann, schon lange als unumstritten. Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass ein erhöhter Ruhepuls für Patienten, die bereits unter einer koronaren Herzkrankheit (KHK) leiden, als ein unabhängiger Risikofaktor gewertet werden muss. Ist der Puls erhöht, kann dies Durchblutungsstörungen nach sich ziehen, die sich beispielsweise in schmerzhaften Angina-Pektoris-Anfällen äußern können. Engegefühle in der Brust und Atemnot gehören zu den typischen Begleiterscheinungen. Bei Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen, der so genannten Arteriosklerose, kann ein erhöhter Puls eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Herzens nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall kann dies in einem Herzinfarkt münden. Wenn sich der Herzmuskel häufig zusammenzieht, kann das Organ selbst nicht mit Sauerstoff versorgt werden. Ein hoher Pulsschlag hat daher ähnlich ungünstige Auswirkungen auf Herz und Blutgefäße wie ein zu hoher Blutdruck oder erhöhte Blutfettwerte. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Je langsamer der Puls ist, desto mehr Zeit steht für die lebensnotwendige Sauerstoffversorgung des Herzens zur Verfügung.

Pulssenkung als Schutzmaßnahme

Ähnlich wie die Senkung des Cholesterins oder des Blutdrucks ist daher die Senkung des Pulses eine wichtige Maßnahme, um Herz-Patienten vor weiteren Krankheitsereignissen am Herzen zu schützen. Zu den wichtigsten Faktoren, die das Tempo des Pulses beeinflussen, gehören eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung. Schon mit einer leichten Umstellung des Lebensstils können positive Effekte erzielt und ein erhöhter Puls gesenkt werden. Um einen dauerhaft erhöhten Puls zu senken, rät Dr. med. Norbert Smetak dazu, den Genuss von anregenden Substanzen wie Teein, Koffein und von Pulsbeschleunigern wie Nikotin zu reduzieren. Nach den Erfahrungen des Kardiologen aus Kirchheim hat zudem Sport in Form von zwei- bis dreimal pro Woche 30 Minuten Ausdauertraining einen sehr guten Einfluss auf die Pulsgeschwindigkeit. Bei vorliegenden Erkrankungen wie einer KHK oder Herzschwäche rät der Schirmherr der Initiative Pulsgesund, sich moderne Medikamente verschreiben zu lassen. “Neben sogenannten Beta-Blockern und speziellen Calciumantagonisten, die beide den Blutdruck senken, gibt es einen speziellen Pulssenker, der ausschließlich auf den Puls einwirkt.” Er hemmt die Schrittmacherzellen des Herzens und könne kombiniert mit Beta-Blocker eingesetzt werden.

Regelmäßige Pulskontrolle empfohlen

Wie keine andere Substanz wirkt der spezielle Pulssenker nach den Erkenntnissen von Experten direkt und ausschließlich auf den Taktgeber der Herzfrequenz und reduziert den Pulsschlag. Andere Herzfunktionen wie etwa die Schlagkraft oder der Blutdruck bleiben unbeeinflusst. Die positiven Effekte, die eine gezielte Pulssenkung bei Herzpatienten nach sich zieht, wurde auch in der so genannten BEAUTIfUL-Studie mit 11.000 Patienten mit KHK bestätigt. Die Ergebnisse der internationalen Studie belegen, dass ein erhöhter Puls – ab 70 Schläge pro Minute – mit einem gesteigerten Risiko für Erkrankungen am Herzen einhergeht. Zugleich konnte deutlich gezeigt werden, dass das Herz durch eine gezielte Pulssenkung geschützt werden kann. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird Herzpatienten geraten, ihren Ruhepuls regelmäßig selbst zu kontrollieren oder beim Arzt überprüfen zu lassen.