Ein Herzinfarkt kann jeden treffen – rund 300.000 Deutsche ereilt dieses Schicksal pro Jahr, rund 50.000 versterben daran. Doch nur in seltenen Fällen tritt der Infarkt aus heiterem Himmel auf. Meist geht dem akuten Ereignis eine Vorgeschichte voraus – mit entsprechenden Grunderkrankungen wie Arteriosklerose, Angina Pectoris oder Herzschwäche. Diese wiederum werden durch Bluthochdruck, überhöhte Cholesterinwerte und einen zu schnellen Ruhepuls begünstigt. Wir berichten über die Risikofaktoren für Herzinfarkt.

Veranlagung und Lebensweise

Zu einem Teil sind all diese Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Alter, Geschlecht (Männer sind stärker gefährdet) und genetische Veranlagung bedingt. Zum anderen Teil liegen wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkt und Co. in einer ungesunden Lebensweise und können durch entsprechendes Verhalten weitgehend vermieden werden. Jeder kann sein Herz selbst schützen.

Lebensstilbedingte Risikofaktoren für Herzinfarkt

Rauchen:
Nikotin verengt die Gefäße, was zu einer Erhöhung des Blutdrucks führt. Außerdem steigert es die Pulsfrequenz – schon bei einer Zigarette um bis zu 30 Schläge pro Minute. Die Folge: Das Herz benötigt mehr Sauerstoff und muss sich gleichzeitig mehr anstrengen, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Eine große Belastung, die gerade bei vorgeschädigtem Herzen gefährlich werden kann. Zusätzlich fördert das Rauchen die Arterienverkalkung und die Gefahr von Blutgerinnseln. Wer sein Herzinfarktrisiko verringern will, sollte also unbedingt die Finger von den Glimmstängeln lassen. Übrigens: Auch Passivrauchen schadet!

Alkohol:
Ein Glas Wein oder ein Bierchen am Abend sind okay, aber übermäßiger Alkoholkonsum gehört ebenfalls zu den Risikofaktoren für Herzinfarkt. Denn Alkohol ist ein Zellgift, das den Herzmuskel schädigt und zu Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern führen kann. Zudem enthält Alkohol sehr viele Kalorien und schlägt sich deshalb leicht in ungesunden Fettpölsterchen nieder.

Bewegungsmangel:
Unsere weitgehend sitzende Lebensweise schadet dem Körper und ganz besonders dem Herz-Kreislauf-System, denn der Organismus braucht Bewegungsanreize, um reibungslos zu funktionieren. Das muss kein Hochleistungssport sein: Maßvolles Training – am besten in einer Ausdauersportart wie Walken, Joggen, Radeln oder Schwimmen – und Alltagsaktivitäten wie Spazierengehen oder Gartenarbeit sind viel gesünder. Bewegung wirkt, indem sie andere Risikofaktoren für Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mindert: Sie senkt den Blutdruck, verlangsamt den Ruhepuls, kräftigt den Herzmuskel, reduziert Übergewicht und verringert die Wahrscheinlichkeit an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Mindestens zwei- bis dreimal die Woche sollte man für 30 Minuten in Schwung kommen.

Übergewicht:
Je schwerer der Körper ist, desto schwerer muss auch das Herz arbeiten, um ihn mit Blut zu versorgen. Das kann zu einer dauerhaften Überlastung etwa durch einen erhöhten, schnelleren Pulsschlag führen. Außerdem verstärkt Übergewicht andere Risikofaktoren für Herzinfarkt wie etwa hohe Cholesterinwerte und Arterienverkalkung, Insulinresistenz und daraus folgend Diabetes Typ 2 sowie Bluthochdruck. Meist führt es indirekt auch zu Bewegungsmangel, weil beleibte Menschen oft beim Sport beeinträchtigt sind. Für ein gesundes Herz sollte man also überflüssige Pfunde abbauen und bewusst essen: pflanzliche Öle mit vielen ungesättigten Fettsäuren, reichlich Obst und Gemüse, Seefisch und Vollkornprodukte. Sehr geeignet und dazu noch köstlich ist deshalb die sogenannte Mittelmeerküche.

Risiken, die “von innen” kommen

Während man die oben genannten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt weitgehend selbst im Griff hat, sind andere zwar von außen beeinflussbar, aber teils auch auf die individuelle Veranlagung zurückzuführen. Hier müssen oftmals Medikamente eingesetzt werden.

Erhöhter Ruhepuls:
Eine dauerhaft zu hohe Pulsfrequenz kann das Herz überlasten. Das gilt besonders, wenn bereits eine Herzschwäche – medizinisch Herzinsuffizienz genannt – vorliegt. Dann sollte der Ruhepuls, der bei gesunden Erwachsenen 60-80 Schläge pro Minute beträgt, auf eine Frequenz von 55-60 eingestellt werden. “Neben sogenannten Beta-Blockern und speziellen Calciumantagonisten, gibt es einen speziellen Pulssenker, der ausschließlich auf den Puls einwirkt”, erklärt dazu Dr. med. Norbert Smetak.

Hoher Cholesterinspiegel:
Überhöhte Cholesterinspiegel – besonders zu viel “schlechtes” LDL-Cholesterin – führen zu Arterienverkalkung und Gefäßschäden. Dagegen wirken cholesterinsenkende Medikamente, die vom der Arzt verordnet werden müssen. Der Patient selber kann durch eine gesunde Ernährung mit möglichst viel ungesättigten Fettsäuren (Stichwort Mittelmeerküche) zu gesunden Cholesterinwerten beitragen.

Bluthochdruck:
Liegt der Blutdruck in Ruhe dauerhaft über Werten von 140 zu 90 mmHg, so spricht man von Bluthochdruck, der zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt gehört. Ursache sind gerade bei Senioren häufig bereits verengte Arterien und steifer werdende Gefäßwände. Dann muss das Herz mehr Arbeit leisten und wird auf Dauer geschädigt. Günstig beeinflussen lässt sich der Blutdruck durch Bewegung, Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung und das Vermeiden von übermäßigem Stress. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sollte er medikamentös auf niedrigere Werte eingestellt werden.

Diabetes mellitus:
Diabetiker haben gegenüber Gesunden ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko. Deshalb sollten Diabetiker besonders sorgsam mit Ihrem Herzen umgehen und weitere mögliche Ursachen wie das Rauchen unbedingt meiden. Dem weitaus häufigeren Diabetes Typ 2 kann man außerdem durch eine gesunde Lebensweise vorbeugen oder ihn bei bereits bestehender Krankheit deutlich bessern. Dazu gehören viele der oben genannten Maßnahmen. Liegt ein behandlungsbedürftiger Diabetes vor, sollte man seine Blutzuckerwerte sorgfältig kontrollieren und auf eine gute Einstellung achten, um das Herz zu schonen.

Wer die genannten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt kennt und aktiv an ihrer Vermeidung oder Minimierung arbeitet, hat eine gute Chance, mit gesundem Herzen alt zu werden. Beratung und Unterstützung kann man sich dabei bei seinem Hausarzt oder Kardiologen, der Krankenkasse, Sportvereinen und Ernährungsberatern einholen. Es lohnt sich!